Berliner Zeitung

Erfolg auf Russisch
 
Der Verleger Dimitri Feldmann plant Regionalausgaben seiner Wochenzeitung und träumt vom Radio
 
August 2000
 
An Axel Springer, Hubert Burda oder Leo Kirch erinner Dimitri Feldmann kaum: Mit Medienmoguln hat der joviale Vollbarträger äußerlich nichts ge´mein. Doch der Leiter des russischen Verlags in Berlin möchte auf seinem Gebiet eine ähnlich marktbeherrschende Stellung erobern wie die deutschen Pressezaren. Deswegen geht Feldmann in die Offensive. Gleich vier neue Wochenzeitungen will der 35-Jährige in den kommenden zwölf Monaten herausbringen. Im Juni 1996 gründete er mit seinem Bruder Boris und dessen Frau Vera Burlutzkaja, beide Journalisten, die russischsprachige Wochenzeitung “Russkij Berlin”. Anfangs wurde sie von vier Mitarbeitern in einer Zweizimmerwohnung in Schöneberg hergestellt. Ein Jahr später brachte der Familienbetrieb mit “Russkaja Germania” eine Ausgabe für das übrige Bundesgebiet auf den Markt. Beide Blätter fanden ihre Leser. Inzwischen werden von ihnen wöchentlich insgesamt 46 000 Exemplare zum Preis von 2,20 Mark abgesetzt, davon die Hälfte im Abonnement. Den Inhalt tragen 24 festangestellte und genauso viele freie Mitarbeiter im Redaktionsbüro an der Potsdamer Straße zusammen.

Lokalberichte aus ganz Deutschland liefern Korrespondenten in Aachen, Düsseldorf und München. Diese Außenposten sollen nun Schritt für Schritt zu eigenständigen Redaktionen ausgebaut werden: Vor einem Monat kam die erste Nummer der “Rheinskaja Gazeta” an die Kioske, im September wird “Russkij Hamburg” folgen. Zum Jahreswechsel ist die Premiere von “Russkij Hannover” geplant und Mitte 2001 soll erstmals “Russkaja Bavaria” erscheinen. Jede Ausgabe soll nach zwei Jahren eine Auflage von mindestens 20 000 Exemplaren erreichen.
        
Dimitri Feldmann hegt keinen Zweifel, dass er 80 000 neue Leser gewinnen kann: “In Deutschland leben drei Millionen Menschen deren Muttersprache Russisch ist, davon allein 150 000 in Berlin.” seine Angaben sind indes schwer zu überprüfen. Zwar waren 1999 nur rund 30 000 Einwanderer aus Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion in Berlin gemeldet, doch ist die Dunkelziffer hoch. Immer mehr russische Lebensmittelgeschäfte und Kneipen eröffnen und immer häufiger ist auf den Straßen die “weiche, knochenlose Sprache” (Thomas Mann) zu hören.
          
Die Neuankömmlige müssen sich in fremder Umgebung zurechtfinden, dafür versorgt sie “Russkij Berlin” mit Orientierungshilfen. Neben einem Überblick über die wichtigsten Ereignisse in Deutschland, Russland und dem Rest der Welt enthält jede Ausgabe nützliche Ratschläge: etwa über die Tücken des deutschen Mietrechts oder den richtigen Umgang mit Behörden. Dazu kommt das komplette Programm der Fernsehsender, die viele Leser mit ihren Satelietenschüsseln empfangen können, und ein ausführlicher Lokalteil mit reichlich Reklame. Ein Drittel der 32 Seiten füllen Annoncen von Reisebüros, Telefonkarten-Vertreibern und russsichsprachigen Ärzten. Auch deutsche Unternehmen entdecken dieses Publikum zunehmend als kaufkräftige Zielgruppe. Ein Möbelhaus bucht seit Jahren eine ganze Seite pro Ausgabe. Daher will der Verlagsleiter die Regionalisierung des des Blattes vorantreiben. Er verweist auf die zahlreichen Kleinanzeigen, die alleine sechs Seiten beanspruchen: “Unser Anzeigengeschäft ist ortsgebunden”.
        
Das gilt ebenfalls füt Vernstalter, die russsiche Künstler für Gastspiele nach Deutschlnd holen. An der Organistion solcher Auftritte beteiligt sich Feldmanns Verlag nicht nur aus Patriotismus. Mit dem Erlös aus derrtigen Aktivitäten finanziert er seinen Expansionskurs. Vor zwei Jahren kaufte er die “Nowaja Berlinskaja Gazeta” sowie den “Press Express” aus Frankfurt am Main, stellte beide Publikationen ein und belieferte ihre Abonnenten fortan mit den hauseigenen Blättern. Die verbliebenen Konkurrenten auf dem russisch-deutschen Pressemarkt, den in Berlin erscheinenden “Ewropazentr” und einige kleinere Wochenzeitungen, beobachtet Feldmann gelassen. Weder im Umfang noch in der Qualität reichen sie an “Russkaja Germania” und ihre regionalen Ableger heran.
        
Und der Expansionsdrang des Selfmademan kommt längst nicht zum Stoppen. Er will nicht nur eine russische Tageszeitung für Deutschland herausgeben, sobald er über genug Startkapital verfügt, sondern seine Muttersprache auch in den Berliner Äther schicken. Mit dem Konzept für ein “Russkij Radio” bewarb er sich kürzlich um die UKW-Frequenz 93,6. die Medienanstalt Berlin-Brandenburg hat sie zwar unlängst an die FAZ-Tochter FEM vergeben, die den Sender “berlin aktuell” übernommen hatte, doch will Feldmann an der nächsten Frequenzausschreibung wieder teilnehemen. Die Zeit sei reif für ein slawisches Spartenprogramm, versichert er: “Es wäre die erste russische Radiostation in Westeuropa”.

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